2020_12_SektStatutVDPbyPeterBender
Mainz

VDP.SEKT.STATUT in Mainz präsentiert

Erschienen In: Neues

VDP.SEKT.STATUT in Mainz präsentiert! Anlässlich der Mainzer Weinbörse des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP) wurden nach einjähriger Verspätung die neuen Statuten vorgestellt – ein Verband legt vor!

Das Schaumweinmagazin hat schon in vergangenen Artikeln über die Neuregelung von Sekt innerhalb des VDP’s berichtet. Leider musste aufgrund von Corona die finale Vorstellung ein Jahr später stattfinden, am 24. April diesen Jahres war es so weit. Die Mainzer Weinbörse öffnete ihre Pforten und viele Weinfachleute kamen. Die Gelegenheit, endlich wieder die neuen Jahrgänge und Großen Gewächse an den Weingutsständen, aber auch die mit Spannung erwartete Sekt Klassifikation zu verkosten, wollten sich wenige entgehen lassen.

VDP WEinbörse

VDP.SEKT & VDP.SEKT.PRESTIGE stellen sich vor

Den Einstieg in die Thematik bereitete Caro Maurer (Master of Wine) mit einer kompakten und kompetenten Masterclass, die von der Geschichte des deutschen Sektes bis hin zur Ideenentwicklung innerhalb des Verbandes reichte. Daneben wurde mit einer repräsentativen Sektauswahl die Qualität der Mitgliedssekte hervorragend hervorgehoben. Bedauerlicherweise war die Zeit des Workshops sehr knapp bemessen, sodass im Anschluss kein weiterer Austausch möglich war, da bereits die nächste Masterclass anstand. Es wäre z. B. interessant gewesen zu erfahren, welchen Eindruck die Schäumer bei den internationalen Teilnehmern hinterlassen hat oder noch offene themenbezogene Fragen zu erläutern.

In der Tat ist der Sekt Traditioneller Flaschengärung mit Qualität recht jung, so beginnt seine Historie in den 1980er-Jahren. Die Geschichte des VDP.SEKTes mit dem Statutgedanken formiert sich 2015 mit der Gründung einer Taskforce, die sich mit dem Thema auseinandersetzen soll, um Leitlinien zu erarbeiten. Dies ist und war ein wichtiger Schritt zur besseren Profilierung von Schaumwein. Um für das komplexe Thema mehr Expertise zu erhalten, wurden zwei externe Experten mit ins Boot genommen. Wie keine zweiten sind Mathieu Kauffmann und Volker Raumland die prägenden und gestaltenden Personen im aktuellen deutschen Sektbusiness, deshalb ist dieser Schritt nachvollziehbar und auch zu begrüssen.

VDP.SEKT.STATUT Verkostungszone – leider wenig Glamour

Die Weinbörse als perfekt organisierte Veranstaltung mit dem Fokus Stillweine bot zum einen die Möglichkeit, Prickler am Weingutsstand selbst sowie in einer eigenen Verkostungszone die neue Klassifikation zu verkosten. Eine hervorragende Idee, 22 weitere Sekte in einem separaten Bereich herauszustellen – dabei sei erwähnt, dass diese Auswahl nur einen Teil der innerhalb des VDP produzierten Schaumweine darstellt. Bedauerlicherweise war die Zone etwas ungünstig gelegen und eine “glamouröse” Gestaltung gemäß dem exquisiten Produkt wäre sicherlich von Vorteil gewesen. So hätte ein stimmungsvolles Banner mit den neuen Statuten den Besucher empfangen können oder eine einladende Sekttheke dem spannenden Auftakt des VDP.SEKT.STATUTes noch mehr Gewicht verliehen.

Auch ein Ansprechpartner zum Thema STATUT wäre sicherlich für manchen Taster hilfreich gewesen. Bedauerlicherweise zeigten sich einige der Schäumer nicht auf den Punkt vorbereitet, da z. B. ein Stopper fehlte, d.h. wenig Kohlensäure hatte oder einfach etwas zu warm schmeckte. Zum besseren Einordnen der Qualitäten wären zusätzliche Herstellungsinformationen zu jedem Sekt auf der Übersichtsliste sicherlich für Weinverkoster, die weniger im Thema Schaumwein sind, hilfreich gewesen. Im Gesamten machte die Weinbörse einen hervorragenden Eindruck und so ist es schade, dass die Verkostungszone diesem wertigen Anspruch nicht ganz gerecht wurde. Während die VDP.SEKTe mit einer Vielfältigkeit auch in der Qualität aufwarteten, zeigten sich die VDP.SEKT.PRESTIGE bereits mit der zu erwartenden Komplexität, Harmonie, Balance und Druck, also sehr vielversprechend!

Der Weg zum Statut 

Wie Caro Maurer MW ausführte, war das Pamphlet ein langer Diskurs mit vielen Diskussionen über Qualitätsstandards, Produktionsmethoden im Gesamten und welche z. B. Süßegrade erlaubt werden sollten. Auch die Frage, ob Cuvées oder reinsortige Rebsortensekte in den besten Pricklern eine Rolle spielen soll, war offen. Ebenso der Punkt, kann die bereits erfolgreiche Stillwein VDP Klassifikation auf den Sekt übertragen werden, die nach burgundischem Vorbild sich auf das Terroir fokussiert. Super wichtig, wie sollte man den Wein in Zukunft benennen?

VDP_Weinbörse_SEKT_STATUT_Verkostungszone

Entscheidungen mit Kompromissen

Zu begrüssen ist, dass das VDP Stillweinkonzept nicht eins zu eins umgesetzt worden ist. Denn nicht jede für Stillwein geeignete Große oder Erste Lage (mit perfekter Reifung) ist auch für die Herstellung von Sektgrundwein geeignet. Sekttrauben müssen andere Anforderungen erfüllen, und dies fängt bereits im Weinberg an. So macht es Sinn, wenn nach dem “VDP.SEKT.STATUT nur aus dafür geeigneten, gutseigenen Weinbergen gelesen werden darf. Diese werden vom Anschnitt bis hin zur – für Schaumwein traditionell frühen – Lese entsprechend gepflegt und grundsätzlich von Hand gelesen”.* Als feiner Kompromiss in Bezug auf die Individualität der VDP Verbände können diese die Rebsorten für VDP.SEKT und VDP.SEKT.PRESTIGE individuell festgelegen. So sind bei letzterer Kategorie, die hauptsächlich aus Riesling und den Burgundersorten produziert wird, an der Ahr auch Pinot Madeleine und in Franken Silvaner zugelassen.

Begrüßenswert ist, das beim VDP.SEKT regionen-typische Rebsorten wie Scheurebe zu finden sind, die gerade in meinen Augen eine spannende deutsche Spezialität darstellen. Auxerrois für die Mosel hinzuzufügen, wäre sicherlich auch zu Bedenken, da diese Rebsorte in dieser Region nicht unbedeutend ist. Maximal 12 g/l Restzucker sind im VDP.SEKT.PRESTIGE erlaubt, d.h. die Weine werden von Brut Nature bis Brut angeboten. Beim VDP.SEKT nimmt man die Vorliebe vieler deutscher Konsumenten für trockene Sekte auf. So reicht das Spektrum von Brut Nature bis z B. an Mosel und Nahe zu Trocken. Für die Regionen Saale-Unstrut und Sachsen müssen die Regelungen noch festgeschrieben werden.

VDP SEKT STATUT
VDP SEKT STATUT

Bestimmung der Qualitäten

Hier orientiert sich der Verband stark an den Qualitätsstandards von Champagner. So sind für den VDP.SEKT 15 Monate als Minimum auf der Hefe vorgeschrieben (Jahrgangssekt 24 Monate), während der VDP.SEKT.PRESTIGE (auch als Jahrgang) 36 Monate in Kontakt sein muss. Leider werden im Gegensatz zu vielen anderen Topschaumweinregionen zugekaufte, hochwertige Trauben nicht zugelassen. Dies ist vielleicht ein Punkt, der es manchen Sekthäusern erschwert, in Zukunft Teil des VDPs zu werden, aber auch VDP Weingüter, die bereits Topsekte produzieren, dürfen diese nicht unter dem Zeichen des Adlers anbieten.

Sensorisch geprüft werden die VDP.SEKTe durch die regionale Weinkommission im Rahmen der üblichen Weinabnahme, wobei diese Kommissionsteilnehmer durch den VDP eine besondere Schulung erhalten haben. Die VDP.SEKT.PRESTIGE werden durch ein eigenes nationales Verkosterteam separat bewertet. Es stellt sich mir spontan die Frage, ob durch diese Trennung nicht unbewusst unterschiedliche Einstufungen stattfinden und die Qualitäten beider Kategorien weniger aufeinander aufbauen – dies ist meine Spekulation, ob es so ist bleibt abzuwarten. Gerade die VDP.SEKT Linie wird die Visitenkarte und der meistverkaufte Sekt eines Weingutes sein, deshalb liegt hier für mich ein besonderes Augenmerk. Interessant ist, dass sich der Verband bewusst gegen ein dreistufiges Qualitätskonzept entschieden hat. Da bleibt die Frage offen, wie es sich mit Schaumweinen verhält, die nicht unter das Signet fallen. Dies sind z. B. Weine aus zugekauften Trauben oder nicht zugelassenen Rebsorten. Wie werden diese in Zukunft kommuniziert oder vermarket? Vielleicht könnte in diesem Punkt ein wenig Verwirrung bei den Verbrauchern entstehen?

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Auf den Weg gebracht

Der Verband hat vorgelegt, die Umstellung innerhalb vieler Mitgliedsbetriebe ist auf dem Weg. Der Problematik des Begriffs Sekt, der oft mit einem billigen Image verbunden wird, stellen sich die Prädikatsweingüter bewußt. Veränderungen, wenn auch langsam, sind immer möglich. Der Name Sekt ist etabliert, sehr bekannt und stand bis vor dem Zweiten Weltkrieg für Topsekte Traditioneller Flaschengärung. Warum diese Historie aufgeben, deshalb an dieser Stelle Chapeau für die Beibehaltung des Namens SEKT!

Letztendlich ist es ein Start in die Zukunft und gleichzeitig eine große Herausforderung für den VDP nach dem erfolgreichen Konzept für Stillweine auch die Prickler auf dieses Niveau zu heben, schließlich verbürgt sich das Siegel für Qualität. Ich weiß aus meiner langjährigen Erfahrung, dass die Messlatte der besten internationalen Schaumweine hoch hängt, der Markt hart umkämpft ist und keine strategischen Fehlpositionierungen schnell verziehen werden. In fünf Jahren ist zu erleben, wie das VDP.SEKT.STATUT gegriffen hat und auf welchem Niveau sich die Mehrheit der Mitgliedssekte gemäß des nun geltenden Qualitätsanspruch im Glas präsentieren werden. Es bleibt weiterhin spannend beim Thema Deutscher Sekt.

Vielleicht interessiert es Sie, wie unsere österreichischen Nachbarn das Thema Sekt angehen?


CREDITS

Der Artikel wurde nicht vergütet oder in Auftrag gegeben und spiegelt meine persönliche Meinung wider. Weiterführende Links dienen alleine der Information. Der Auszug aus dem VDP.SEKT.STATUT wurde mit einem * gekennzeichnet.

Fotos: Titelbild & VDP Kellerbild – Copyright VDP by Peter Bender, Logo – VDP, Weitere Fotos: Nicole Wolbers


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