Potsdam, Deutschland

Aromatischer Sekt – Wohin geht die Reise?

Erschienen In: Basics | Neues

Sicherlich kennen Sie Weine aus Muskateller, Gewürztraminer oder Auxerrois. Wussten Sie, dass man aus diesen Trauben auch reinsortigen Sekt herstellen kann?

Exzellente aromatische Sekte führen ein Schattendasein unter den Sekten. Meist sind sie ein aromatisches Potpourri ohne gute Säurestruktur, schnell schal schmeckend oder sie sind einfach nur Fruchtbomben. Beides schmeckt mir nicht. Diese Art von Sekt wird nur als „junges“ Getränk konsumiert. Kein Wunder, dass aromatische Sekte oft mit Argwohn betrachtet werden. Dabei spricht einiges dafür:

  • Optimale Essensbegleiter

Sie eignen sich hervorragend als Essensbegleiter. Durch ihre Rebsorten typischen Aromen können sie ein Menu perfekt akzentuieren. Ich denke da nur an die Kombination von Spargel mit Ei, zu der der Auxerrois Brut vom Schloss Vaux exzellent passt – siehe Rohkost.

  • Charakterstark

Sehr klar spiegeln sich im Sekt die natürlichen Aromen der verwendeten Rebsorte im Sekt wieder, da Hefenoten nicht im Vordergrund stehen. Sie wissen, welchen Traube Sie im Glas schmecken.

  • Aromatische Trauben als Solisten

Aromatische Trauben sind zum Beispiel Riesling, Pinot Gris, Gewürztraminer, Grüner Veltliner oder Sauvignon Blanc.

Beliebter werden Weissburgunder sowie Auxerrois. Man findet sie meist in Cuvées, wobei Auxerrois mittlerweile gerne „solo“ auftritt.

  • Geschicktes Spiel von Hefe und Aromen

Generell werden aromatische Sekte mit der Tankmethode hergestellt, so dass man oft ein überbordende Fruchtigkeit im Sekt finden kann. Frucht aber ohne Finesse. Mittlerweile gibt es viele Winzer, die ihren aromatischen Sekt mit der klassischen traditionellen Flaschengärung herstellen. Mindestens 9 Monate bleibt der Sekt in Kontakt auf der Hefe. Die Fruchtaromen erhalten so nochmals brotige Noten. Jedoch finden sich auch hier, grosse Unterschiede in Bezug auf die Fruchtigkeit. Woher kommt das?

Tendenzen

Können aromatischen Trauben von einer längeren Hefelagerzeit in der Flasche überhaupt profitieren? Gehen nicht die gewünschten Fruchtaromen verloren und die Hefearomen dominieren?

Die Gretchenfrage ist also: kann man mit aromatischen Rebsorten hochwertige und feine Qualitäten erzeugen?

Die Antwort ist ja!

Es gibt Gottseidank einige Sektproduzenten, die aromatischen Trauben die gleiche behutsame Behandlung, Zeit und Aufmerksamkeit schenken wie man es für gewöhnlich einem guten Champagner oder hochwertigen Sekt gönnt.

Tolle Erzeuger in dieser Kategorie sind das Schloss Vaux, Winterling Sekt, flik Sektmanufaktur oder Privat Sektkellerei Reinecker.

Photo by Thomas Schaefer on Unsplash

Sekt – Ausdruck der Philosophie eines Weingutes

Das führt mich geradewegs zum Sekthaus Griesel & Compagnie. Das Sekthaus unter der Regie von Niko Brandner erhält regelmässig Auszeichnungen für seine Sekte so auch für den Muskateller 2015. Hier habe ich gefunden, wonach ich suche: Eleganz, frische Struktur und filigrane Aromatik! Auf keinen Fall „Fruchtbombe“!

Das Sekthaus Griesel ist bei der Herstellung ihres zum Beispiel prämierten Muskatellers einen anderen Weg gegangen. Das Ziel war, dieser ältesten Rebsorte auf der Welt, eine Frische, Cremigkeit und Eleganz zu verleihen. Dabei aber feine Aromen der Muskatellertraube hervorzukitzeln. Das ist gelungen – Chapeau!

Neue Wege in der Vinifizierung

Der Muskatteller wurde von vorne herein anders vinifiziert. Bei der Lese verfügen die Trauben über einen gewissen Reifegrad (nicht überreif!) sowie einer guter Säure. Fein justiert wird der Grundwein während der zweiten Gärung in der Flasche, die langsam stattfindet. Danach durfte der Sekt noch lange auf der Hefe verweilen. In diesem Falle über 2 Jahre.

Am Beispiel von Niko Brandner zeigt sich, dass aromatische Rebsorten durchaus von längeren Hefezeiten profitieren und Eleganz ausdrücken können.

Griesel & Compagnie beendet „Experiment aromatische Trauben“

Niko Brandner hat dieses Jahr entschieden, keine weiteren aromatischen Sekte mehr herzustellen. Respekt vor dieser Entscheidung! Aber warum, waren die Sekte doch vielversprechend?

Der 2015 Muskateller sowie der Sauvignon Blanc Prestige 2014 und 2015 werden die letzten Jahrgänge sein, die im Verkauf sind. Niko erzählte mir, dass er die Versektung aromatischer Trauben als Experiment aufgefasst hat. Er wollte unter anderem herausfinden, inwieweit das Hefespiel die Aromen und umgekehrt bei langer Liegezeit beeinflusst. Wie weit kann man gehen? Für ihn ist nun das Ende des „Experiments“ gekommen, die Sekte sind hervorragend geworden. Für ihn wurde klar, dass Sekte aus Pinot Noir und Chardonnay seinen Anforderungen und Erwartungen an die Stilistik am Besten ausdrücken.

Identitätssuche

Niko Brandner´s Schritt ist nachvollziehbar, aber sehr schade. Belegt es doch, dass die Sektbranche im Gesamten auf der Suche nach dem richtigen Positionierung ist. Näher habe ich dies in einem Artikel über den Verband der klassischen Flaschengärer beschrieben. Man darf nicht vergessen, dass die Sektbranche, wie es sie jetzt in Deutschland gibt, eine „relativ“ junge Branche ist. Das Experimentieren wird weitergehen; die Qualitäten werden steigen – aber die Vielfalt an Stilistiken wird bleiben. Sekt ist immer Ausdruck der Philosophie des Winzers und das ist gut so.

Vielfalt als Stärke

Die aromatischen Sekte in ihrer Vielfalt sind auf dem Weg ihren Platz zu finden, dafür sorgen die Auszeichnungen und Wahrnehmung in den Weinwettbewerben. Es wäre wünschenswert, dass sich weitere Winzer dadurch inspiriert fühlen, aromatischen Sekt in hochwertiger und eleganter Qualität anzubieten.

Quelle: Foto: Rohkost – Flik Manufaktur @schampuslounge.de / Grapes: Photo by Thomas Schaefer on Unsplash

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