Das Geheimnis des Sektkorken!

Erschienen In: Basics | Neues

Ich behaupte, dass der Korken einer Schaumweinflasche das wichtigste Teil der Ausstattung ist. Ein undichter Kork und schon verschwindet das Prickeln aus der Flasche. Ein fehlerhafter Kork lässt den Schaumwein „verkorkt“ schmecken. Das wäre ein Fiasko sowohl für den Produzenten als auch den Weinliebhaber. Die teure und aufwändige Herstellung wäre umsonst gewesen. Um dieses Risiko zu vermeiden, schenken die Chef de Cave diesem kleinen, aber so wichtigen Detail sehr viel Aufmerksamkeit und verlangen nach ihrem perfekten Modell!

Bild von Bruno /Germany auf Pixabay

Geschichte des Korkverschlusses

Natürlich hängt die Geschichte dieses speziellen Verschlusses (gerne auch Stopper genannt) mit der Entwicklung von Schaumweinen zusammen. Zum Ende des 15. Jahrhunderts verstanden französische Kellermeister erstmals, dass die erste Gärung durch die winterliche Kälte gestoppt wird und die Weine gar nicht durchgegoren sind. Auch verstand man nun, dass es die Frühjahrswärme war, die diese bereits abgefüllten und unfiltrierten Weine wieder zum Gären brachte. Dabei wollten die Kellermeister damals kein Prickeln im Glas und betrachteten die Weine als fehlerhaft!

Die Hauptabnehmer für dieses eigenartige Getränk waren die Engländer, bekamen sie doch schiffeweise Wein u.a. aus der Champagne geliefert, die regelmäßig am Perlen waren. Schon bald entwickelten sie eine große Vorliebe für diese Spezialität und es waren die Engländer selbst, die versuchten, dem Geheimnis der Perlen auf die Spur zu kommen. Durch bewusste Zugabe von Zucker zum Wein verstand man, dass dies die Hefen wieder aktivierte und sich dadurch in einer verschlossenen Flasche Kohlensäureblässchen entwickelten. Die neuen Schäumer wurden sehr En vogue am englischen Hofe, so mussten auch die französischen Winzer einsehen, dass Schaumwein kein Teufelswerk ist, sondern ein Wein, mit dem sich viel Geld verdienen lässt. Wen ihr Euch mehr für die turbulente und unterhaltsame Geschichte des Schaumweines interessiert, dann sei Euch mein Artikel Geschichte des deutschen Sektes ans Herz gelegt.

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Schon weit vor dem Wirken des berühmten Kellermeisters Dom Perignon in der Champagne hatten die Römer Korken und Seil verwendet, um den Wein sicher zu lagern, sowie vor Verschmutzung zu schützen. Aber erst um 1630 besann man sicher wieder des Korkverschlusses für Wein. Man liest, dass Dom Pérignon (Kellermeister im berühmten Champagner Veuve Clicquot) derjenige war, der den bis dahin genutzten Kork verbesserte, sodass dieser hermetisch die Bläschen in der Flasche halten konnte. Allerdings hatte dieser Verschluss einen den bösen Nebeneffekt. Aufgrund der Dünnwandigkeit der damaligen Glasflaschen standen die Flaschen unter einem so hohen Druck, dass die Flaschen regelmäßig explodierten. Es heißt weiter, dass die Champagner Arbeiter Schutzmasken tragen mussten, um sich vor herumfliegenden Glassplittern zu schützen.

In England war man mittlerweile in der Lage, dickwandige und damit druckresistentere Flaschen herzustellen, die in die Champagne exportiert wurden. Dennoch, obwohl der Kork verbessert wurde, mit Seilen fixiert und nun eine stabile Flasche verwendet wurde, schoss der Korken leider noch zu oft unbeabsichtigt und mit voller Wucht aus der Flasche.

„I know one cellar in which there are three men who have each lost an eye!“

Thomas George Shaw, Weinhändler im 19. Jahrhundert

Erst die weitreichende Entwicklung im Champagnerhaus Jacquesson & Fils (1798 gegründet), sollte dieses Problem beheben. Im Jahre 1844 erfand Adolphe Jacquesson das sogenannte muselet, welches bei uns unter dem Begriff Drahtkorb oder Agraffe bekannt ist. Mit diesem Drahtkorb konnte endlich der Korken sicher in der Flasche gehalten werden. Nun konnte man sicher die Flaschen handhaben, ohne sich der Gefahr auszusetzen, eventuell ein Auge zu verlieren.

Agraffe bzw. Drahtkorb mit Metallplaque – Foto ©schampuslounge

Das Geheimnis des Korken

Aufdruck

In der AOC Champagne muss ein Champagne generell den Aufdruck „Champagne“ tragen. Handelt es sich um einen Jahrgangschampagner muss auch das Jahr aufgedruckt sein.

Bei uns in Deutschland gibt es keine klare Regelung, von daher findet man die unterschiedlichsten Aufdrucke. Einige zeigen den Namen des Weingutes, andere haben die Aufschrift „Flaschengärung“ und wiederum andere haben gar nichts aufgedruckt.

Unterschiedliche Aufdrucke – Foto ©schampuslounge
Form

Wenn Ihr eine Flasche Champagner oder Schaumwein öffnet, solltet Ihr unbedingt einen prüfenden Blick auf die Form werfen. Wie hat sich der Kork nach dem Öffnen verändert?

Veränderung des Korkens nach dem Öffnen – Jahresunterschiede! – Foto ©schampuslounge

Verbreitert sich der Fuß des Korkens sehr stark, dann war er kurz in der Flasche. Bleibt die Form eher schmal, dann war der Schaumwein schon länger verkorkt. Somit könnt Ihr ganz leicht herausfinden, ob der Wein ein jüngerer oder schon ein gelagerter, gereifter Schaumwein ist. Sicherlich könnt Ihr nun auf der obigen Abbildung klar erkennen, welcher Korken von einem gereiften Schaumwein stammt.

Wo wird Kork produziert und was ist Kork eigentlich?

Wie bekommt er diese eigenartige Pilzform?

Diese und weitere Fragen beantworte ich Euch in den nächsten Artikel rund um das Thema Schaumweinkorken!

Dieser Artikel spiegelt alleine meine Meinung wieder und wurde weder in Auftrag gegeben oder vergütet.

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