Colour matters! Bei Rosé spielt die Farbe eine überdurchschnittliche Rolle!

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Rosé Weine oder Sekte sind sicherlich auf der Welt die einzigen Weine, bei denen die Farbe eine enorm wichtige Rolle spielt! Ja, ich behaupte sogar, dass die Farbe oft zum Kauf ausschlaggebend ist!

Wie heißt es so schön: Rotweine oder Weissweine werden an Weinliebhaber verkauft, dieser nimmt die Farbe wohlwollend zur Kenntnis, aber sie beeinflusst kaum sein Einkaufsverhalten. Wie anders sieht die Welt beim Rosé aus – nicht sehr rosig, übrigens!

Sommerweinchen?

Rosé ist leider immer noch ein verkannter Wein. Im Sommer strahlt es uns von überall her Rosa entgegen und in der Tat sind die meisten Rosé nichts mehr als einfache, hübsche und pinke Wein. Kostenlos wird uns das Gefühl von mediterraner Lebenslust suggeriert. Viele Winzer wetteifern darum, den Rosé in die auffälligsten, top gestylten Flaschen aus verschiedenfarbigem Glas abzufüllen. Das Neueste, was mir untergekommen ist, war ein Rosé in einer milchig, saturierten Glasflasche, die sich bei tiefen Temperaturen aufklart und den Roséton des Weines sichtbar macht. Rosé scheint ein Marketingprodukt zu sein, oder?

Ich gebe zu, auch ich habe mich hier von der Flasche leiten lassen. Ich ausprobieren, ob die Flasche tatsächlich ihr Aussehen verändert. Wie man auf den Fotos sehen kann, hat es geklappt – aber der Rosé selbst, war nicht ganz so mein Geschmack!

Rosé d´Anjou, Nature Ailess – Foto: schampuslounge/ Maisson Pierre Bourré

Warum ist das so?

Allen voran hat die Provence bei Rosé Stillweinen das Sagen. Bunte, ansprechende Plakate mit azurblauem Mittelmeer, Sonnenuntergangsstimmung, Geselligkeit in Koralle Farbtönen bestimmen das gezeigte Bild. So einfach kann man sich die perfekte Sommeridylle für zuhause kaufen! Aufgrund des großen Erfolges eifern viele Regionen den Südfranzosen nach.

Sommer – Sonne – Meer – Lifestyle – Canvas

Mittlerweile versucht jede Weinbauregion in der Welt beim Rosé, die perfekte und eigene Farbnuance zu finden. So ist in Südamerika eher dunkleres Pink angesagt, auch die Spanier mögen es etwas kräftiger in der Farbe. Die Provence bevorzugt eine blasse Farbe, die sich mittlerweile als Standard etabliert hat. In Deutschland ist die Roséwelt bunt – es gibt eine Bandbreite von Farbnuancen, einige Winzer orientieren sich an der Provence, andere an den spanischen Rosadas. Letzteres ist sicherlich auch der Traubenvielfalt geschuldet, die wir in Deutschland verwenden können und das Rosé nie eine große Tradition in Deutschland hatte. Das ändert sich Gott sei dank.

Farbpalette

Irgendwo hatte ich gelesen, dass es von Rosé über 100 verschiedene Farbvarianten in Weinen gibt. Das würde mich nicht wundern, ermöglicht es den Winzern jedoch eine enorme Vielfalt an Farbmöglichkeiten.

Meines Erachtens beschränken sich allerdings die angebotenen (Schaum-) Weine auf einige wenige Farbtöne, die vom blassen Lachston, zartes Zwiebelschalenrot über frisches Korallenrosa oder Himbeere hin zu einem intensiveren Johannisbeerenrot reichen.

Farbpalette Roséweine – Canvas

Rosé ist nicht nur Farbe! Rosé ist ein Wein

Rosé ist kein Beiprodukt der Rotweinproduktion! Der Grundstein dafür fängt bereits im Weinberg an. Für Roséweine muss schon im Weinberg ein anderer Maßstab gesetzt werden, wie z. B. der Erntezeitpunkt muss gut gewählt sein. Auch im Keller erfordert ein guter Rosé eine andere Verarbeitung.

  • Wie lange liegen die Trauben auf der Maische?
  • Werden sie nur kurz angepresst, um eine zarte Farbe zu erhalten oder soll die Farbe intensiver werden?
  • Welche Fruchtaromatik möchte man im Rosé ausdrücken?

Sicher ist, man möchte keinen Rotwein haben, der einfach nur roséfarben aussieht!

1999 hat sich in der Provence das Institut „Centre du Rosé“ gegründet und sich als erste Organisation überhaupt der Aufgabe verschrieben, die Anforderungen und die Herstellung von hochwertigen Roséwein zu erforschen. Dies beinhaltet sowohl das Experimentieren mit Rebsorten, im Weinberg, mit Kellertechniken sowie ein Farbenverständnis. Durch die Ergebnisse des Instituts konnten Zusammenhänge und Anforderungen an Roséweine besser verstanden werden.

Durchsichtige Flaschen – Achtung!

Auch wenn es ansprechend aussieht, die Farbe so wunderschön betont wird – Rosé sollte nicht in durchsichtigen Flaschen verkauft werden, da dieser (Schaum-)Wein besonders dem Risiko von Schäden durch UV-Strahlungen ausgesetzt ist. Erkennen könnt Ihr dies manchmal an dem vorhanden Weißkohl oder nasser Wolle Aroma! Die Engländer beschreiben diesen Effekt passenderweise als „LIGHT STRIKE“. Es bietet allerdings den Vorteil, dass wir als Kunden schnell – fast im Vorbeilaufen – uns ein Bild von der Farbe machen und je nach Gefallen, die Flasche Rosé mal so eben mitnehmen.

Interessant ist, dass so viele Weinläden, Winzer dieses Risiko – bei nicht perfekter Behandlung (wie Dunkelheit beim Versand, Lagern etc.) in Kauf nehmen – aber dies bestätigt: Colour matters!

Durchsichtige Flasche – Light Strike Risiko!

Tipp: Achtet darauf, wo Euer Rosé im Laden/beim Winzer steht.

Oft sehe ich diese Weine, wunderbar präsentiert hinter der Schaufensterscheibe und herrlich von der Sonne angestrahlt! Diese Flaschen unbedingt meiden. Gewissenhafte Verkäufer oder Winzer halten die durchsichtigen Flaschen im Dunkeln und gut gekühlt! Manche Schaumweinproduzenten wickelnde Flaschen in Papier ein, um den Wein zu schützen. Ganz modern und umweltfreundlich hat das Champagnerhaus Ruinart eine zu 100 % recyclingfähige zweite Haut u.a. für ihren Rosé Champagner entwickelt, die den Champagner beim Transport schützen soll. Gleichzeitig ist die Verpackung auch die Geschenkbox – clever!

Second Skin, environmental friendly packaging – Foto Courtesy © Ruinart

Farbe gleich Qualität?

Häufig wird uns vorgegaukelt, dass eine spezielle Farbnuance für eine besondere Qualität steht. Kurz gesagt, dem ist nicht so! Die Farbe wird beim Rosé als erstes bestimmt, erst dann kommt die passende Ausbaumethode dran! Der Winzer muss schließlich wissen, wie viel Farbe der finale Wein oder Schaumwein besitzen soll.

Auch reden die verwendeten Rebsorten ein Wörtchen mit. Manche Rebsorten wie Grenache, Dornfelder besitzen viel mehr Farbe in der Schale als zum Beispiel der beliebte Pinot Noir bzw. Spätburgunder!

Die Annahme, dass ein sehr heller Farbton delikate Fruchtaromen oder ein weniger süßes Vergnügen versprechen, muss nicht immer eintreffen. Manchmal bedeutet sie auch weniger Komplexität und weniger Freude im Glas – sagen wir, der Wein ist einfach flach! Andererseits kann er – trotz der zarten, blassen Farbe – sehr viel Aroma und Intensität ins Glas bringen. Wie immer, gibt es keine Regel! Hier gilt es, probieren geht über Studieren.

Methoden der Roséherstellung

Um den Rosé zu verstehen, müsst Ihr Euch kurz mit den Herstellungsmethoden befassen. Keine Angst, es wird nicht zu detailverliebt, allerdings hilft es zu verstehen, warum manche Roséweine eine intensivere Farbe (Aromatik) haben als andere.

Mazeration

Klassischerweise wird Rosé durch den kurzen Kontakt (Mazeration) von Wein und Traubenschalen hergestellt. 12-24 Stunden (im Gegensatz von ca. 10 Tage oder länger für Rotweine) reichen, um den gewünschten Farbton und Aromen herauszulösen bevor die Maische gepresst wird. Schale und Kerne werden entfernt und der Saft wird wie ein Weisswein weiter vergoren/behandelt.

Direkte Pressmethode

Sehr beliebt ist diese Methode in der Provence. Erlaubt sie doch, eine sehr zarte Färbung, die für viele Provence Rosé so typisch ist. Die Trauben werden zart angepresst bevor sie in den Tank kommen. Der herauslaufende Saft enthält wenig Farbe, manchmal auch wenig Aroma. Anschließend wird der Rosé wie ein Weißwein weiter vinifiziert.

Traubepresse Griesel Sekthaus – Foto: schampuslouge
Saignée Methode (Ausbluten)

Der Most kommt mit seinen Schalen in den Tank und letztere geben dort ihre Farbe an den Wein ab. Während der Gärung wird dem Rotwein nach wenigen Stunden Wein abgezogen und erhält somit einen rosafarbenen Most, der separat als Rosé ausgebaut wird. Mit dieser Technik kann man mehr Farbe und Struktur (Gerbstoffe) in einen Rosé bringen, da der Kontakt von Schale und Wein intensiver ist.

Weiß + Rot = Rosé

Diese Technik wird bei wenigen Rotweinen angewendet, die durch Zugabe von Weißwein einen Rosé Farbton erhalten sollen.

In der Champagne ist diese Misch-Methode weit verbreitet und wird für Schaumweine eingesetzt, die nach der traditionellen Flaschengärmethode erstellt worden sind. Diese Methode erlaubt den Champenoise weißen Champagner mit bis zu 15% mit rotem Stillwein aus der Champagner aufzufüllen. Ein weiterer gewünschter Nebeneffekt dieser Methode ist, das auch Aromen hinzugefügt werden. So können die Fruchtaromen des Rotweins den Charakter des Schaumweines um z. B. rote Beerenaromen erweitern.

In Deutschland werden einige wenige Sekte nach der Saignée Methode hergestellt, auch werden nur wenige nach der Weiß + Rot = Rosé Methode hergestellt. Für die Roséherstellung werden bevorzugt die Mazeration sowie die direkte Pressmethode angewendet.

#roséallday

Rosé ist seit einigen Jahren ein stetig wachsender Markt. Rosé Stillweine haben den Anfang gemacht, gefolgt von Rosé Schaumweinen. Bereits im Jahre 1804 wurde der erste Rosé Champagner von Champagnerhaus Veuve Clicquot herausgebracht, allerdings hat es lange gedauert, bis Rosé als Schaumwein so wirklich wahr genommen wurde. Dennoch ist der Anteil an Rosé weltweit minimal, in Deutschland waren in 2018 ca. 14 % der Sekte ein Rosé. In der Roséhochburg Provence halten sich erstaunlicherweise die Rosé Schaumweine zurück, sie sind sehr schwer zu finden. Doch der allerneueste Zugang in der Roséfamilie wird die Prosecco DOC sein, die ab 2021 einen Rosé Spumante verkaufen dürfen. Das wird den Rosémarkt mit Sicherheit nochmals aufmischen und Schwung verleihen. Wir können gespannt sein!

Im Segment der Roséweine gibt es eine große Vielfalt an Farbnuancen, sie schmecken von Demi-sec bis Brut Nature. Achtet also neben dem Farbton, auf den Süssegrad, aus welcher Region der Schaumwein kommt und welche Trauben verwendet worden sind. So könnt Ihr beim nächsten Einkauf nicht nur anhand der Farbe einkaufen, sondern den Rosé schon etwas gezielter einschätzen. Erst kürzlich wurden die besten Rosésekte 2020 aus Deutschland vom Deutschen Weininstitut ausgezeichnet.

Frau Reule vom Deutschen Weininstitut hat die Situation des Rosé Schaumweines sehr gut zusammengefasst:

„Die Stilistik und das Image der Roséweine hat sich in den letzten Jahren deutlich geändert. Unsere Rosés präsentieren sich zwischenzeitlich sehr viel charaktervoller und fruchtbetonter. Sie sind auch immer häufiger im Premiumsegment zu finden. Zudem haben sie ihr feminines Image abgelegt und werden nicht mehr nur als reine Sommerweine wahrgenommen, sondern von allen Konsumentenschichten zunehmend ganzjährig konsumiert. Außerdem liegen Roséweine und -sekte auch international im Trend. Marktforscher sagen ihnen weltweit eine rosige Zukunft voraus“, erklärt Reule.

Für weitere Anregungen stöbert gerne entspannt in der Kategorie Rosé Schaumweine auf meinem Schaumweinblog.

Dieser Text wurde nicht in Auftrag gegeben oder vergütet, sondern spiegelt alleine meine Meinung wieder! Ausgehende Links, die kommerzielle Nutzen haben, werden mit einem * gekennzeichnet.

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